7. BruchsalerForum

Das 7. BruchsalerForum am 27. September 2011

Die Teilnehmer sammeln sich am Servicepoint des Postfrachtzentrums BruchsalDi 27. September 2011, 17 Uhr. Treffpunkt Postfrachtzentrum Bruchsal am Servicepoint Vichystraße 1

Auf Einladung von Theo Veith, Betrieblicher Sozialberater, hat das 7. BruchsalerForum Gesundheit & Arbeit am 27. September 2011 im Postfrachtzentrum Deutsche Post DHL in Bruchsal stattgefunden. Der Betriebsrundgang, die Präsentation von Theo Veith (zweiter von links) und die anschließende Diskussion waren sehr fruchtbar. Lesen Sie den Bericht.

Tagesordnung

1. Theo Veith: Betriebsführung durch das Postfrachtzentrum
2. Theo Veith: Aktivitäten zur Prävention im Postfrachtzentrum
3. Thomas Altgeld: Ausblick, Themen
4. Volker Falkenstein: Aktuelle Informationen (“Messe Aktiv und Gesund” am 8./9. Oktober 2011
5. Gelegenheit zum persönlichen Erfahrungsaustausch

Hier geht es zu den Terminen, und hier ist der Bericht über das 6. BruchsalerForum.

Bericht über das 7. BruchsalerForum beim Postfrachtzentrum

Die Teilnehmer des BruchsalerForums trafen sich erstmals zu einem Erfahrungsaustausch in einem Betrieb, außerhalb des Bruchsaler Rathauses auf Einladung von Theo Veith, Sozialberater bei der Post. Das Treffen war verbunden mit einer Betriebsbesichtigung. Das Treffen war geprägt von einer offenen, konstruktiven  Atmosphäre. Herr Veith berichtete über seine langjährigen Erfahrungen mit Betrieblicher Gesundheitsförderung und steht für weitere Informationen zur Verfügung.

Die Arbeit im Postfrachtzentrum – obwohl durchorganisiert und automatisiert – ist körperlich sehr anspruchsvoll. Am Standort sind ca. 450 Beschäftigte, davon 60% Frauen. Größte Abteilung: Briefzustellung. Es gibt viele Zeitverträge und Ferienjobber. Mit Schülern und Studenten hat man gute Erfahrungen gemacht. Die Jobs sind auch deshalb begehrt, weil sie besser bezahlt werden, als bei anderen Logistikunternehmen.

Viele Tätigkeiten lassen sich nicht automatisieren und gehen, wie man so sagt, auf die Knochen, besonders wenn man bedenkt, dass das Maximalgewicht für Pakete 31,5kg beträgt. Die Arbeit geht aufs Kreuz, entsprechende Gesundheitsprobleme bleiben nicht aus. Problematisch sind psychische Gesundheitsstörungen. Sie nehmen wie überall in Deutschland auch im Postfrachtzentrum ständig zu.

Psychische Probleme können mit der Arbeit zusammen hängen. Neue Arbeitsabläufe, hoher Leistungsdruck, Stress, Veränderungsprozesse, Monotonie des Arbeitsplatzes, Versetzung in andere Abteilungen, Mobbing, nicht “Können” mit dem Kollegen (Beispiel: Körpergeruch – man kann sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht riechen), Angst um den Arbeitsplatz belasten die Beschäftigten – und zwar umso stärker, je älter sie sind. Überwiegend – und das war für die Teilnehmer des BruchsalerForums überraschend – liegen die Ursachen für die psychischen Probleme jedoch nicht in der Arbeitswelt, sondern im privaten Bereich.

Probleme aus dem persönlichen Umfeld wie Eheprobleme, Sucht (Alkohol u.a.), Schicksalsschläge, Verschuldungsprobleme, Lohn- und Gehaltspfändung kommen für Herrn Veith mit Abstand vor den arbeitsbedingten Problemen. Hier bietet die von der Post geschaffene Stellung des Sozialberaters eine vertrauensvolle Grundlage. Die Beschäftigten wissen, dass sie sich mit ihren Problemen an ihn wenden können, ohne dass sie gleich die Entlassung befürchten müssen. Die Basis bietet eine Betriebsvereinbarung zwischen der Unternehmensleitung und dem Betriebsrat, in der alles klar geregelt ist, besonders auch die Schweigepflicht und die Vertraulichkeit.

Selbstverständlich kümmert man sich bei der Post um die Verbesserung der Arbeitsprozesse, damit es möglichst wenig gesundheitliche (besonders: orthopädische) Probleme gibt. Es gibt die übliche Rückenschulung, Rückengurte, Anleitung zum richtigen Heben und Tragen, Training am Arbeitsplatz, wöchentlicher Tausch des Arbeitsplatzes. Sicherheitsschuhe sind Pflicht.

Im Vordergrund steht jedoch die Bewältigung der persönlichen  Verhaltensprobleme. Kleines Beispiel: Gesunde Ernährung. Wenn die Beschäftigten ungefrühstückt zur Arbeit erscheinen, fallen viele in das sog. 11-Uhr-Loch. Es wurden Flyer zur gesunden Ernährung gemacht. Die Beschäftigten  werden angesprochen und sensibilisiert: Geht zum Arzt. Macht das Hautscreening, das Venenscreening.

Gespräche mit Mitarbeitern werden in Fällen des persönlichen Fehlverhaltens rasch geführt. Jede Verzögerung macht es nur schlimmer. Eine deutliche und respektvolle  Sprache seitens des Sozialberaters im Umgang mit Suchtgefährdeten ist unbedingt erforderlich. Keine falsche Nächstenliebe, kein falsches Verständnis. Kranke werden nicht fallen gelassen, Fürsorge steht immer im Vordergrund.

Die Art und Weise, wie Mitarbeitergespräche zu führen sind, ist klar geregelt. Bevor eine Kündigung ausgesprochen wird, gibt es mehrere Stufen, die durchlaufen werden müssen. Mitarbeiter bekommen mehrere Chancen, ihr Fehlverhalten zu korrigieren.

Führungskräfte werden bei der Post besonders geschult (z.B. Stressseminare). Sie lernen während der Schulung, wie wichtig es ist, Anerkennung auszusprechen, wenn man andere Menschen führt.

Natürlich versteht Theo Veith, dass nicht jeder mittlere oder kleine Betrieb sich die Organisationsstrukturen der Post zulegen kann. Für kleine Unternehmen lautet deshalb sein Rat:

“Der Chef muss mit den Leuten reden. Er muss Anerkennung und Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Der persönliche Kontakt – das ist der Königsweg!”

Ein gutes Instrument, um die Betriebliche Gesundheitsförderung voran zu bringen, sind Gesundheitstage. Im Bruchsaler Postfrachtzentrum gab es 2011 drei Gesundheitstage, die als Arbeitszeit gerechnet werden. Wegen der Größe des Betriebes ist es nicht möglich, einen Gesundheitstag für alle Beschäftigten durchzuführen; dies geschieht abteilungsweise.

Wer noch keine Betriebliche Gesundheitsförderung hat, der beginne laut Theo Veith unbedingt mit einem Gesundheitstag!

Jedes Jahr gibt es eine schriftliche Mitarbeiterbefragung, die von den Beschäftigten gut angenommen wird (Rückläuferquote 50%).

Danksagung

Volker Falkenstein (Stadt Bruchsal) bedankte sich herzlich bei Theo Veith für die Möglichkeit der Betriebsbesichtigung und für die offenen Worte zum Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement. Er zeigte sich beeindruckt von der breiten Palette an Mitteln zur Förderung der betrieblichen Gesundheit im Postfrachtzentrum, von der die Teilnehmer des BruchsalerForums wertvolle Hinweise mit nach Hause nehmen würden.

Nächstes Treffen: 8. BruchsalerForum

Das nächste 8. Treffen des BruchsalerForums soll im Januar 2012 stattfinden. Genaueres wird Volker Falkenstein rechtzeitig mitteilen.

Bernd Kempf von der Sparkasse Kraichgau steht als Gastgeber für das Januar-Treffen in der Sparkasse zur Verfügung. Auch Jörg Mergenthaler von der Firma Bärle sprach eine Einladung für eines der Folgetreffen aus.

Moderator Thomas Altgeld teilte mit, dass Claudia Flake vom Regierungspräsidium Gießen für ein Folgereferat zum Thema “Psychische Belastungen am Arbeitsplatz” zur Verfügung stünde.

Dieter Müller/14. November 2011

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